Was lange währt…. ist einfach alt.

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Woran denkt man, wenn man an Alt denkt? Respekt, Vertrauen und/ oder ehrwürdig? Konservativ, festgefahren und/oder widerspenstig? Assoziationen, positiv wie negativ, gibt es reichlich. Diese gelten aber nicht nur für Menschen, sondern auch für Institutionen, Meinungen und Kunstwerke. Beständigkeit, aber auch Unveränderlichkeit folgen der Philosophie: Was lange währt, bleibt auch gut. In einigen Kontexten muss diese Maxime allerdings überarbeitet werden. Traditionen sind zwar schön und gut, manchmal sollten sie sich aber dem Zeitgeist anpassen. Und nicht alles was alt und schön ist, bleibt standhaft: der Fall Notre Dame zeigt wie ein altehrwürdiges Kulturdenkmal nach Jahrhunderten doch einstürzen konnte. Dass dies auch noch im Zuge von Restaurationsarbeiten geschehen ist, ist mehr als traurig. Altes kann brüchig und marode sein, deshalb muss gegen den Verfall angekämpft werden.

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Die Fragilität ist nicht immer sichtbar, aber sie ist da. Trotz jahrhunderterlangem Stehvermögen bedeutet dies nicht Unantastbarkeit. Korrekturen, Reparaturen, Restaurationen: es gibt sicher noch mehr Synonyme, gemeint ist mit modernen Methoden den Erhalt des Grundgerüsts zu gewährleisten. Traditionen müssen zur Moderne passen, ansonsten werden sie überholt und vergessen. In vielen Dingen im Leben, bewegen wir uns noch immer in alten Strukturen: Sei es Geschlechterungleichheiten oder Beurteilungen von Hautfarben. Und obwohl es oft so scheint, dass alles gleich bleibt oder es eher einen Schritt zurück als vorwärts geht, gibt es Veränderungen! Die alten Strukturen haben sich teilweise so fest verankert, dass es Zeit braucht, sie umzukrempeln, wenn nicht sogar zu revidieren.

Während ich also, wie hier im Rathaus zum Beispiel, umgeben von Statuen bin, betrachte ich nicht nur ein schönes Kunstwerk, sondern auch ein früheres Frauenideal. Lässt man seinen Blick durch die Kunstgeschichte streifen, wird man von unterschiedlichen Idealen geradezu überhäuft. Einige Standunkte sind sicherlich gleich geblieben, genauso wie die Vorliebe der Künstler (ich gendere hier ganz bewusst nicht) ihren Blick auf den weiblichen Körper zu werfen, vor allem auf den nackten. Und während ich also im Rathaus neben diesen Skulpturen stehe, frage ich mich, warum wir diese Darstellungen schön finden und dennoch in der Moderne ein ganz anderes Schönheitsideal propagieren? Rubens malte fülligere Frauen, wie zu seiner Zeit der weibliche Körperbau en vogue war, denn dieser zeigte Wohlstand und irgendwie auch Fruchtbarkeit. Die dargestellten Frauen würden wir niemals fatshamen, in der jetzigen Realität tun wir dies schon bei der kleinsten Speckrolle. Heute ist es genau andersherum: ein schlanker, trainierter Körper zeigt, dass man es sich leisten kann, auf seine Ernährung und Bewegung zu achten. Vorstellungen von Schönheit ändern sich stetig. Auch wenn der Trend schon seit längerem zum Schlankheitswahn neigt (der Heroin Chic der 90er ist zum Glück vorbei), erheben sich Stimmen, die sich mit Kampagnen wie Body Positivy dagegen stellen und den fülligen, farbigen und auch „behinderten“ Körper in ein anderes, positiv besetztes Licht stellen. Damit bewegt man sich wieder zu einem älteren Schönheitsideal hin, dass nicht vom Magerwahn dominiert wird. Diese Tendenz wird aber durch eine wichtige Komponente erweitert: Inklusion. Vorher wurden diese Körper vehement aus dem Diskurs über Schönheitsideale ausgeschlossen. Mit den sozialen Medien findet eine Renaissance statt: Aktivist*innen werden laut und bilden Netzwerke. Daraus haben sich großartige Gruppen, Organisationen, Verbände, Online-Magazine und Blogs formiert und finden mit ihren Themen und Botschaften Platz im Mainstream. Denn nur weil etwas lange anhält, bedeutet es nicht, dass es richtig ist. Wenn Menschen diskriminiert werden, ist das Grundgerüst falsch.

Denn bei Schönheitsidealen, egal ob neu oder alt, ist hauptsächlich die weiße und körperlich unversehrte Frau gemeint. Und genau an diesem Punkt braucht dieses alte Bild Korrekturen. Oder Restaurationen, wie man es auch nennen will. Und dieser Wandel findet statt, aber nur sehr langsam. Der Unterschied zu Kunst und Kulturdenkmälern: Wir bewundern ihre jahrhundertüberstehende Relevanz und Schönheit, im realen Leben möchten wir uns nicht mit Strukturen aus dem Mittelalter auseinandersetzen.

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Ich täusch‘ was vor…

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In meinen Artikeln versuche ich immer Mode und gesellschaftliche Aspekte miteinander zu verweben. Zur Idee zu diesem Beitrag kam ich, weil es ein Forschungsgebiet eines guten Freundes ist. Aber lest selbst:

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Hochstapler*innen, Trickbetrüger*innen oder Con-Artists: Es gibt viele Namen, eines aber haben sie gemeinsam: den Akt der Täuschung, präziser des Vortäuschens. Die Geschichte der Hochstapelei ist wahrscheinlich so alt wie die Welt selbst. Hierbei geht es nicht bloß um eine kleine Lüge, sondern die Erfindung einer ganz neuen Identität. Dabei Fragen wie: „Wie erwecke ich bei meinem Gegenüber den Anschein, genau diese Idee einer anderen Person?“ oder „Wie überzeuge ich den anderen von der Echtheit meiner ausgedachten Person?“ von größter Bedeutung. Wahrscheinlich hat sich jede*r schon einmal vorgestellt, jemand anderes zu sein. Was geht in einer Person vor, die vom Wunschdenken abdriftet und seine Vorstellung in die Realität umsetzt? Das Mantra „Mehr Schein als Sein“ ist bei einer solchen Person das Lebensmotto. Eine kleine Lüge hier und da, den Lebenslauf ein bisschen aufhübschen oder die Persönlichkeit beim Small Talk pushen: das alles sind Strategien, die einem sogar für die Karriere geraten werden. Alles natürlich in Maßen. Aber Hochstapelei geht noch viel weiter und nimmt kriminelle Ausmaße an.

Um damit durchzukommen, benötigt man besondere Finesse und auch ein wenig Skrupellosigkeit, immerhin betrügt man andere nicht nur mit einer gefälschten Identität, sondern versucht auch sich einen finanziellen und materiellen Vorteil auf Kosten des Anderen zu schaffen. Früher gab man sich als Adelige aus, um z.B. Pferde, Schmuck, edle Speisen oder kostbare Stoffe zu erhalten, man versprach dem Opfer eine spätere Zahlung und bürgte mit dem eigenen guten Namen. Es gibt hierzu wirklich die kuriosesten Geschichten. Und ohne Internet musste man dem Aussehen und der Gestik des Betrügers vertrauen. Wer würde schon ein Geschäft mit einem Fürsten ausschlagen?

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Und da kommt schon ein wichtiger Aspekt zum Vorschein. Nicht nur der Name wurde verändert, sondern natürlich auch die Gestik und der Habitus, aber vor allem war Kleidung ein wichtiges Merkmal. Es heißt schließlich nicht umsonst: Kleider machen Leute. Wer Pelz und Samt trug, hob sich definitiv von Mittelschicht und dem Bauerntum ab, auch wenn sie meist genau aus diesen Gesellschaftsschichten kamen, wenn nicht sogar noch von weiter unten. Heute kleiden sich Trickbetrüger wie Polizist*innen, Bauarbeiter*innen oder Postlieferant*innen, um ihre Opfer hereinzulegen. Kleidung ist hierbei immer noch ein wichtiges Kriterium, aber es geht nicht mehr darum, wie jemand aus der Oberschicht oder High Society auszusehen, sondern wie eine vertrauenswürdige und autoritäre Person.

Und auch die sozialen Medien sind natürlich davon betroffen. Auf viel simplere Art und Weise täuscht man ein weitaus schöneres und glamouröseres Leben vor, als man es wirklich hat. Ein paar Klicks hier und dort, schon ist es erledigt. Auch hinsichtlich der Kleidung ist es nicht mehr ganz so schwer, das eigene Outfit teurer und exquisiter zu gestalten. Viele Designer*innen großer und auch günstiger Ketten, übernehme gerne Designs oder Designelemente der großen Firmen. Chanelähnliche Taschen und Jacken, Sparversionen von Givenchy oder Balenciaga-Boots sind heißbegehrte Stücke zu unerschwinglichen Preisen, aber als Abklatsch möglich für fast jeden.

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Auch ich trage die heiß begehrten Balenciaga Ceinture Boots als nachgemachte Version. Warum? Weil ich mich sehr in diese Schuhe verliebt habe, aber leider nicht so furchtbar viel Geld für ein Paar Schuhe ausgeben kann. Natürlich ist dies für die Designer*innen ein herber Schlag, schließlich werden ihre Ideen für einen Spottpreis anderswo verschleudert. Eine Katastrophe für die Kunst. Allerdings bekommt man auch so die Gelegenheit „Lookalikes“ zu bekommen. Für kleine Designer*innen bedeutet diese Übernahme von kreativen Ideen das Ende, schließlich sind ihre Verkaufszahlen deutlich geringer und bei Ihnen geht es meist wirklich ums Überleben. Auch fehlt den nachgemachten Designs die Handarbeit und Detailliebe, denn sie werden in Fabriken hergestellt, wo die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter*innen mehr als furchtbar sind. Allein das ist ein weiterer Grund, darauf zu verzichten. Ich habe meine Boots Second Hand gekauft. Leider sind sie furchtbar unbequem. Aber Sparen für das Original kommt für mich derzeit nicht in Frage, träumen darf man dennoch.

Hairstories, Pt. I: Brave Mädchen

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Haarschleifen sind nicht mehr nur für kleine Mädchen* oder Cheerleader, längst haben sie wieder unsere Zopfbandschatulle erobert. Zunächst war ich skeptisch, Scrunchies gegenüber bin ich es auch immer noch. Lustigerweise habe ich noch welche aus vergangenen Tagen zuhause bei meinen Eltern. Noch bleiben sie unangetastet.

Dass das Angebot verschiedenster Haaraccessoires online und offline in den letzten Monaten stark zugenommen hat, freut mich als Person mit langen Haaren sehr! Wie ich ja bereits berichtet habe, ist und bleibt Blair Waldorf weiterhin eines meiner Stilvorbilder, Eric Daman hat wirklich großartige Arbeit als Stylist geleistet, auch wenn Haarschleifen viel eher an Betty Cooper von Riverdale erinnern, obwohl sie dies relativ selten bis gar nicht trägt. Liegt wohl an ihrem dauerhaftem Pferdeschwanz und dem Good-Girl-Image.

Schleifen sind ein klassisches Zeichen für ein braves Mädchen, nicht wahr? Weder im Tv noch in der Literatur werden Vamps oder Femme Fatales mit diesem Attribut ausgestattet. Und mit dem Aussehen verbindet man schließlich auch die Persönlichkeit.  Schleifen im Haar kann also dem Außenstehenden zeigen, dass man artig und wohlerzogen ist, also genau das, was Mädchen schon seit ihrer Geburt eingeredet wird: Kein Aufsehen erregen,  nach den Regeln spielen und brav sein. Wie oft hat man diesen Satz in seiner Kindheit hören müssen und auch als erwachsene oder heranwachsende Frau, wird man noch immer darauf hingewiesen, sich einiges gefallen zu lassen und gefälligst lieb und anständig zu sein hat.

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Aber wir haben 2019! Wir haben keine Lust darauf, weiterhin wohlerzogen und folgsam zu sein! Die Zeit der braven Schleifchen-Mädchen sollte doch längst vorbei sein. Frauen der heutigen Generation zeigen sich mutig, selbstbewusst und definieren alte Regeln neu, es wird nach Gleichheit und gleicher Bezahlung gefordert und das ist auch gut so.

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Muss man also auf girly-Accessoires verzichten, um ernst genommen zu werden? Nein, aber auf die damit verbundende Mentalität schon! Und ist es nicht auch ein netter Überraschungseffekt dem Gegenüber äußerlich von seiner sanften Seite zu überzeugen, um dann im nächsten Moment seine Boss-Attitüde zu zeigen? Das bedeutet: sich nicht alles gefallen zu lassen, sich nicht ins Wort fallen zu lassen und vor allem seine eigene Meinung kundtun, auch wenn sie vielleicht unangenehm für den anderen sein mag. Übermäßig selbstbewusstes oder gar zickiges Verhalten ist damit übrigens nicht gemeint. Sondern nur, selbstsicherer zu werden und sich nicht gleich abwimmeln lässt. Eins ist sicher: Schleifen im Haar können auch mehr als nur ein Zeichen für das Good-Girl-Image sein, sondern sind vor allem ein stylisches (und praktisches) Accessoires.

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Wir sehen … Rot!

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Mit diesem Post widme ich mich dem Karotrend in seiner neuesten modischen Facette: die rote Variante mit dem Namen Tartan.

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Seitdem der Karotrend die Modewelt schon seit längerer Zeit begleitet, ist es kein Wunder, dass es immer wieder mal ein Update von ihm gibt. In der einen Minute verpönt, in der anderen wieder verehrt.  Diesmal ist das Tartan-Muster, oder auch Schottenkaro genannt, mal wieder en vogue. Ich glaube, das letzte Mal habe ich dieses bestimmte Karomuster 2007 aktiv getragen. Schotten tragen dieses Karo als Röcke und drücken damit ihre Clanzugehörigkeit aus – naja daher stammt ja auch der spezifische Name -, aber auch mit der Punkszene verbindet man die roten Karos. Dass Mode bestimmte Elemente aus verschiedenen Kulturen und Subkulturen übernimmt und für sich verwendet und umsetzt, ist ein bekanntes Phänomen.  Ich persönlich verbinde damit immer Großbritannien und Alexander McQueen und Vivienne Westwood. Gut, streng genommen Engländer*innen, die ihre Inspirationen aus der Punkszene entlehnen. Ikonen wäre der passende Begriff für diese beiden!

Die Schwarz-Rot-Kombination bot mir die perfekte Gelegenheit, geometrische Ohrringe in ähnlicher Farbe zu tragen. Seit Herbst letzten Jahres ist geometrischer Schmuck nicht mehr zu übersehen. Großartig, wie Designer*innen die Schmuckformen der 60er und 70er in neuen Farben und auch Formen aufleben lassen!

Auch die Sonnenbrille strahlt sixties-fever aus, obwohl diese Form eher an die 90er und Grunge-Ikone Kurt Cobain erinnern. Nicht nur die 2000er haben aus anderen Jahrzehnten geklaut. Zu Grunge und Cobain gehört natürlich auch das Karomuster, aber auch hier gilt: die Kombination macht es.

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Gibt es Do’s and Don’ts wenn es um Tartan geht?

Ich denke nicht. Zwar ist es ein auffälliges Muster und vielleicht sollte man in der Kombination aufpassen, dass das Outfit weiterhin der eigenen Persönlichkeit entspricht und nicht in Richtung Schulmädchen oder Straßenpunk neigt. Schick wirkt er mit glatten Stoffen und Tweed, ausgefallen im Mix mit einem anderen Karo oder sogar einem anderen Schottenkaro, das sich in der gleichen Farbfamilie befindet (kein Beige oder Braun) und ungewöhnlich mit Blumenmuster. Seltsam wahrscheinlich mit Animalprint. Aber jeder wie er mag!

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Der Lauf der Dinge

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Während ich die Fotos dieser Bilderstrecke betrachte, erinnere ich mich an den Tag im Herbst zurück. Das matschige Moos, die vielen hinab gefallenen Blätter und der frische Wind. Typische Indikatoren für Mitte Oktober. Und obwohl es schon kälter wurde und die Zeit nicht gerade für helle Kleidung passend ist, habe ich mich entschlossen dieses weiße Kleid zu tragen. Ich lag abends wach und betrachtete meine Kleiderstange und fand, die Kombination des weißen Kleides mit der Brokatweste irgendwie fantastisch.

Das Kleid gehört zu den vielen Dingen in meinem Kleiderschrank, die ich ertauscht habe. Richtig: Ich habe nicht Geld gegen Kleidung getauscht, sondern Kleidung gegen Kleidung. Von sogenannten Tauschparties haben bestimmt viele von euch gehört. Ich war zwar nicht auf einer solchen Party, sondern habe es über eine Onlineplattform getauscht. Eine Zeit lang war ich ziemlich versessen auf dieses Tauschgeschäft, schließlich wurde ich etwas los, das ich nicht mehr wollte und bekam dafür etwas, das ich mich wünschte. Und musste dafür nur meine Versandgebühren zahlen. Natürlich ist das unpraktisch, wenn man eigentlich seinen Kleiderschrank minimieren möchte. Aber an sich ist dies ein durchaus zu befürwortendes Konzept.

Ich treibe mich oft auf ebendieser Plattform herum, um Kleidung, Schuhe, Taschen oder Accessoires zu kaufen. Vieles davon ist sogar noch neu und hat deshalb nicht den typischen Second-Hand-Look. Momentan liest man oft von fairer und nachhaltiger Kleidung oder Kosmetik. Das ist gut. Bedenkt man, wie und wo konventionelle Kleidung hergestellt wird. Mal vom moralischen Aspekt der unterbezahlten und meist minderjährigen Arbeiter*innen abgesehen, entsteht dadurch auch ein großer  Schaden für die Umwelt, bzw. der Schaden ist schon da.

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Da ich mir (noch) nicht wirklich faire und nachhaltige Kleidung leisten kann, versuche ich andererseits oft gebraucht Dinge zu kaufen. Das liegt allerdings auch an meinem Konsumverhalten. Geprägt durch den Umgang mit Fast Fashion und meinem Hunger nach Mode, bin ich eine Jägerin und immer auf der Suche. Ich habe schon oft versucht meinen Jagdtrieb zu unterdrücken, angehalten hat es aber nie wirklich lange. Daher habe ich diesen Kompromiss mit mir selbst getroffen, so oft es geht gebraucht zu kaufen. Auch hier breche ich ziemlich häufig meine Regel und shoppe konventionell.

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Das Problem mit fairer Mode ist ähnlich wie das mit regionalem und biologischem Gemüse-und Obstkauf: Ohne weiteres kann sich dies nicht jeder leisten. Und Second Hand hat für mich nicht den Beiklang, dass man sich keine neuen Sachen kaufen kann, sondern es nicht will. Mode ändert sich so rasant, dass es eigentlich kaum möglich ist, mitzuhalten. Es ist eine nachhaltige Übergangslösung, denn die konventionelle Produktion sollte sich dringend ändern, ansonsten werden schöne Herbsttage wie diese, bald einer idyllischen Vergangenheit angehören.

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Übrigens: Eine meiner Ketten und auch die Weste sind gebraucht!

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Wann wollen wir leben?

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Ich glaube, fast jeder hat sich schon einmal mit Zeitreisen beschäftigt. Sei es, um in die Zukunft zu blicken oder vergangene Momente zu verändern. Zeitreisen- und maschinen sind beliebte Elemente in Sci-Fi-Büchern und Filmen. H.G. Wells schrieb das Buch „Die Zeitmaschine“ bereits 1895, welches dann 1960 verfilmt wurde. Als ich den Film „Midnight in Paris“ sah, wurde mir deutlich, wie wahr die Botschaft ist: Leben wir nicht alle manchmal in einer vermeintlich besseren Vergangenheit? Wir alle haben eine goldene Zeit, die wir wahrscheinlich verpasst haben, sei es musikalisch, literarisch, und/oder künstlerisch. Das zeigt doch auch häufig die Wahl unserer Musik, unserer Kleidung oder die Möbel, die wir in unsere Wohnungen stellen. Vintage und Retro sind beliebte Hashtags oder Beschreibungsmerkmale für Gegenstände auf Auktionsplattformen und selbst wenn sie keine Originale aus vergangenen Jahren sind, so ist auch vintageinspiriert ein großes Thema.

Im Interior- und Modedesign werden alte Jahrzehnte immer wieder als Inspirationsquelle genutzt, Serien und Filme spielen in der Vergangenheit, die Nostalgie ans Gestern wird immer wieder groß geschrieben und das obwohl viele dieser Anhänger*innen nicht einmal in diesen Zeiten gelebt haben, nach dem Motto „Früher war alles besser und schöner“. Zu unserer Identität gehört nun einmal auch die und unsere Vergangenheit. Für vieles, was in der Weltgeschichte bisher geschehen ist, können wir nichts und dennoch sind es Dinge, die uns bis heute prägen. Aus politischer Sicht tragen wir dennoch Verantwortung, sodass bestimmte Denkweisen und Weltansichten, die Menschen unterdrücken und marginalisieren, nicht mehr vorkommen.

Aus ästhetischer Sicht sehe ich meist eine Ablehnung der Gegenwart und der aufkommenden Zukunft. „Was war es für eine Zeit als Picasso, Lee Miller etc. lebten…“, mit Sicherheit war es schön zur selben Zeit wie diese Menschen gelebt zu haben, ihr Wirken und Schaffen zu erleben und nicht nur Retrospektiven, sondern immer wieder neue Ausstellungen von ihnen zu sehen. Dies gilt natürlich für alle Held*innen der Vergangenheit. Gleichzeitig übersehen wir dann, dass auch zum jetzigen Zeitpunkt Künstler*innen wirken und schaffen, die ebensolches Potenzial besitzen und von denen in 50 Jahren mit Sicherheit genauso gesprochen wird, wie über vergangene.

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Die Sehnsucht bezieht sich bestimmt eher auf Dinge, die man nicht erlebt hat und so auch nicht erleben kann bzw. konnte. In Anbetracht dieser rosafarbenen Brille bezüglich der Vergangenheit, kann die Gegenwart dagegen nur verblasst erscheinen. Man betrachtet die Stile der verschiedenen Jahrzehnte und fragt sich, wann die Mode so stillos geworden ist? Zumindest denke ich das bei einigen Kleidungsstücken der heutigen Zeit so. Das Schöne an der Gegenwart aber ist, dass man sich all der vergangenen Stil bedienen kann. Und man auch nur bestimmte Elemente übernehmen kann, z.B. nur einen Kurzblazer, der an den 60er-Jahre-Schnitt erinnert. Im Gesamtensamble fällt diese Zeitreise nicht besonders auf, erkennbar ist sie als solches dennoch. Das ist das Schöne an der heutigen Zeit, in der soviel Stilvielfalt herrscht, wie schon lange nicht mehr: Alles ist irgendwie möglich. Dafür sind oft die neuen Dinge recht enttäuschend.

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Die Gegenwart ist geprägt durch Unstrukturiertheit. Vielleicht wird uns erst Jahre später deutlich, was gerade die 10er-Jahre des 21. Jahrhunderts ausmachen. Und vielleicht haben die Menschen vor uns, genau das gleiche gedacht? Die Zukunft bleibt in vielerlei Hinsicht ungewiss.

Neues Jahr, Neues Ich, Neue Illusion

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Achja, das Neue Jahr. Sehr viel Aufregung vor und nach dem Jahreswechsel. Es soll und kann alles besser werden, das letzte Jahr war vielleicht toll, aber diesmal wird alles toller. Und wieso? Ist Neujahr nicht ein Tag wie jeder andere? Früher war es für mich unfassbar wichtig, auf einer supermegamäßigen Silvesterparty zu sein. Und heute? Noch ganz kann ich mich noch nicht an den Gedanken gewöhnen, alleine zu sein oder einfach nur durchzuschlafen. Durchschlafen ist angesichts Raketen und Böllern vielleicht eh nicht möglich. Aber die große Party halte ich für überbewertet, irgendwie wurde man sowieso oft durch seine Vorstellungen enttäuscht.

So wie man auch oft Ende des Jahres enttäuscht ist, wie wenig man von den Vorsätzen wirklich durchgesetzt hat. Deshalb hab ich mir keine richtige Vorsatzliste gemacht, sondern nur meine To-Do-Liste erweitert, die ich aber schon im vergangenen Jahr nach dem Ende meiner Masterarbeit geschrieben habe. Und wenn man sich ehrlich ist, man legt den Schalter auch nicht um 12 Uhr nachts um und verändert sein Leben. Meist passiert das ja nicht einmal am 1. Januar, sondern erst am 2. oder 3. Am Neujahrstag sind die meisten so müde und sogar verkatert von der langen Party, dass man weit weg ist von „Mehr Lesen“ und „Mehr Sport machen“, sondern nur auf dem Sofa oder im Bett mit Chips und Cola liegt. Klar, nach den Weihnachtstagen, an denen man sich ordentlich vollgestopft hat, braucht man mal wieder einen Ausgleich und irgendwie scheint ja auch ein Jahreswechsel neue Perspektiven zu bieten. Aber einen Neuanfang kann man auch bei jedem neuen Augenschlag schaffen.

 

Trotzdem scheint der Einzelhandel für den1. Januar seit Jahren eine Marketingstrategie für eine Ernährungsumstellung und Fitnesswahn entwickelt zu haben. Ich glaube aber, dass man sich meist zu viel vornimmt und daran scheitert. Auch dieser Druck der von außen aufgebaut wird, im neuen Jahr ein besseres Ich zu werden, ist nur eine reine Illusion. Und wo soll das denn auch enden? Bis man das beste Ich ist? Wer sagt, wann ich das beste Ich bin? Spätestens im März hat man seine guten Vorsätze über den Haufen geworfen und sobald man im September den ersten Spekulatius isst, fängt der Kreis von vorne an. Wenn man wirklich etwas ändern will, kann man das jeden Tag tun. Im kollektiven Gedächtnis bleibt aber die Lüge vom tollen neuen Jahr, indem man gesünder und schlanker wird.

Persönlich bin ich zwar erleichtert, dass das turbulente Jahr 2018 vorbei ist. Die Strapazen und Tiefen sind damit aber nicht vorbei, es heißt nur, dass sie immer weiter in die Ferne rücken.

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Erbsünde: Von der falschen Schlange

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Schlangenprint ist wieder einmal in Mode. Egal wo man hingeht, die falsche Schlange begegnet einem in jedem Geschäft: sei es auf Taschen, Schuhen, Shirts oder Hosen. Momentan hat eine Invasion des kriechenden Tieres stattgefunden. Und während in der Mode die Schlange wieder salonfähig gemacht wurde, bleibt sie in den eigentlichen Salons dieser Welt eher in der hinteren Ecke. Denn, wer mag schon gerne falsche Schlangen in seinem persönlichen Umfeld?


Interessanterweise werden so – meist – nur Frauen bezeichnet, Ausnahmen gibt es wie bei allem immer. Und auch der Schlangenprint zeigt sich durchaus vermehrt in den weiblichen Bekleidungskollektionen. Während wir uns also mit fremden Federn, pardon, mit fremden Häuten schmücken und dies mit einer solchen Non-chalance geschieht, blenden wir gekonnt aus, welche Bedeutung früher die Verbindung von Frau und Tier hatte. In vielen Werken der Kunst und Literatur setzte man Frauen mit Tieren gleich oder verlieh ihr tierische Attribute, um ihre animalischen Triebe zu verdeutlichen. Die Schlange weist somit auch auf die angeblich negativen Aspekte der Weiblichkeit hin: Verführung und Hinterlist. Das lässt sich schließlich schon in der Bibel nachlesen. Man muss nicht glauben was das alte Buch sagt, trotzdem hat sich dieses Muster in unsere Kultur eingeprägt. Und selbst wenn die Konnotation von animalischer Natur und Frau-Sein auf künstlerischer Ebene fast verschwunden ist, so bleibt dennoch die Aussage: diese falsche Schlange.

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Man kann sich fragen: Was hat sich geändert? Warum sind Tiermuster wieder so en vogue geworden? Nun, Mode lässt sich nicht unbedingt rational erklären. Sie ist im steten Wandel, wie auch das gesellschaftliche Bild der Geschlechter. Das ist natürlich auch gut so, denn kein Wandel würde mehr Öde und Langeweile bedeuten. Vielleicht bedeutet dies auch einfach eine Loslösung von alten Bildern, die neu und positiv besetzt werden. Denn wer denkt wirklich 2018 beim Anblick vom Schlangenmuster an die Triebe der Frau? Noch vor zehn Jahren wäre das vielleicht noch ein kleines bisschen anders gewesen, als tierhauttragende Individuen gern als exzentrisch und ohne Stil belächelt wurden.

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Einer ist mir sicher: Ich trage lieber falsche (sogar in falscher Farbe) Schlange, als eine zu sein.

Freiheit Punkt, Punkt, Punkt

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Polka Dots und Mustemix sind aus der Modewelt kaum noch wegzudenken. Vor allem der Mustermix lässt uns aus den strikten Regeln des „Nur ein Muster pro Outfit“-Gesetzes ausbrechen. Ich denke, wir leben in Zeiten in denen wir frei unsere Kleidung wählen und beliebig kombinieren können. Ja, man könnte ganz utopisch von einer Anarchie in der Modewelt reden: Punkte und Streifen, Karos und Blumen, und Paisley und Tiermuster: alles wird wild durcheinander geworfen und sieht sogar meist gut, manchmal auch nur akzeptabel aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen der heutigen und vergangenen Generation besitzen wir durchaus mehr Freiheit in unserer Kleiderwahl. Hierbei geht es nicht nur um die Auswahl des Motives oder des Stoffes, sondern auch schon um bestimmte Objekte: Frauen tragen Hosen, einige Männer trauen sich an Kleider und Röcke, und wieso auch nicht?

 

Das Problem nur: auf roten Teppichen, dem einen 1% der Weltbevölkerung und in Hochglanzmagazinen (und Blogs) mag das alles wunderbar aussehen, rebellisch und wegweisend, nur ist der Alltag weit davon entfernt. Und natürlich, gerade berühmtere Personen können den Anfang auf einer höheren Ebene wagen, der sich dann langsam in die unteren Sphären des „normalen“ Individuums einschleicht. Auch wenn es mit Sicherheit mehr als nur ein paar Jahre dauern wird. Denken wir daran zurück, wie lange Frauen keine Hosen tragen durften und in einigen Ländern und Kulturen noch immer nicht dürfen.

In einer Welt, in der Mustermix schon als ein Zeichen für Exzentrizität gesehen wird, sind wir weit davon entfernt, Freiheit in der Kleiderordnung zu proklamieren. Nur wird Progressivität – egal in welchem Bereich – zunächst mit Widerstand konfrontiert, der sich in Form des Alltäglichen zeigt: Abgesehen von Anfeindungen durch das sozialen Umfeld, würde wahrscheinlich jemand, der ein Pailettenshirt zur Arbeit trägt, von seinen Vorgesetzen ins Büro zitiert.

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Von einer Befreiung in Kleiderkonventionen sind wir zwar noch einiges entfernt, dennoch kann ein Mustermix ein Weg zur Loslösung von gesellschaftlichen Konventionen und Erwartungen, wie Mode zu sein hat, erscheinen. Aber wirklich nur ein kleiner Schritt, der vielleicht irgendwann Gemüter bewegt und eine Fashion-Revolution startet, ähnlich wie beim Butterfly-Effekt.

Ich selbst bin ein große Befürworterin des Mustermixes, weshalb ich ihn auch häufig trage, manchmal mehr oder weniger offensiv. Kleine und große Punkte in Kontrast zueinander zu zeigen, ist ein milde Art ein Muster in zwei unterschiedlichen Ausprägungen zu tragen.


 

Blair Witch Project

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Eine Woche ist wieder vergangen. Eigentlich hatte ich vor, einen Artikel, passend zur Farbe meines Looks, zum Thema Black Friday am vergangenen Freitag zu schreiben. Leider befand ich mich in einem Motivationsloch. Dafür habe ich heute das Layout meines Blogs verändert und versuche es demnächst immer weiter zu optimieren. Auch habe ich mir gestern eine Liste angefertigt, mit Beiträgen, die ich demnächst schreiben möchte. Aus einem solchen Motivationsloch zieht man sich ja sowieso immer besser selbst wieder heraus, manchmal klappt es bei mir auch am besten in solchen Phasen Listen anzufertigen, die ich dann so bald wie möglich abhake.

 

Und ich habe wirklich viel, was ich noch abhaken möchte, insbesondere wenn es um diesen Blog geht. Deshalb zeige ich heute auch einen Look, den ich schon vor zwei Monaten geshootet habe. Wegen meiner Masterarbeit hatte ich keine Zeit – und um ehrlich zu sein, keinen Nerv – um mich wieder dem Bloggen zu widmen. Aber nun weg mit der Negativität, hier sind meine Gedanken zu diesem Outfit, dass wie so oft Vintage-inspiriert ist.

Zu allererst möchte ich etwas zum Kleid sagen. Wie auch viele andere Kleidungsstücke von mir, habe ich es gebraucht über Kleiderkreisel erstanden. Dieses Kleid mit tieferem V-Ausschnitt, A-Linie und eingebranntem Samtmuster erinnert mich sehr stark an das, welches Blair Waldorf aus Gossip Girl in der dritten Staffel trug. Da ich seit ich zum ersten Mal Gossip Girl gesehen habe, ein Riesenfan geworden bin, habe ich auch oft versucht die Kleider aus der Serie nachzukaufen. Meistens natürlich nur in ähnlich und kostengünstig, so wie auch dieses Kleid aus einer sehr alten Conscious Collection von H&M. Aber Samt gerät nie aus der Mode, vor allem nicht in den kälter werdenden Tagen und der festlichen Saison ist Samt kaum wegzudenken. Es muss also nicht immer nur neu sein. Eine andere Kombination reicht vollkommen.

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Auch meine Ohrringe sind eigentlich im Original von Zara, aber ich habe sie auch über Kleiderkreisel gekauft. Sie erinnern mich stark an Ohrschmuck, den Edie Sedgwick in den 60ern trug. Auch sie ist eine meiner großen Ikonen, wenn es um Styleinspiration geht. Ich entnehme sehr gern Elemente aus verschiedenen Stilen und unterschiedlichen Zeiten und mixe sie miteinander, sodass wiederum etwas neues entsteht. In Kombination mit dem Netz-Shirt erinnert dieser Look wahrscheinlich kaum noch an Blair Waldorf. Durch die Serie „The Chilling Adventures of Sabrina“ ist mein altes Interesse an Hexen wieder aufgeflammt. Besonders die drei Schwestern sehen in (fast) jeder Szene beeindruckend aus. Seitdem ich die Serie durchgeschaut habe, überlege ich auch einen Look-a-like-Post über sie zu machen. Das wäre ein weiterer Punkt auf meiner Blog-Liste.